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Frühbehandlung ohne KIG – warum eine Therapie auch ohne Kostenübernahme sinnvoll sein kann

24. April 2026

Die kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) dienen als Grundlage für die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse. Sie beurteilen jedoch nicht die Behandlungsnotwendigkeit an sich, sondern ausschließlich, ob eine Fehlstellung eine bestimmte Ausprägung erreicht hat.

Die Verantwortung für Beratung und Therapie liegt beim Behandler und sollte individuell aus ärztlicher Sicht begründet werden. Unabhängig von der Kostenübernahme sollten Patientinnen und Patienten bzw. Eltern auf Basis einer sorgfältigen Diagnostik und umfassenden Aufklärung die Möglichkeit haben, eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine Therapie zu treffen.

Patientenfall: Frühbehandlung trotz fehlender KIG-Einstufung

Der vorgestellte Patientenfall verdeutlicht, dass eine Behandlung auch ohne Einstufung in die KIG-Kategorien 3–5 sinnvoll sein kann.

Bei dem Patienten zeigten sich ausgeprägte myofunktionelle Fehlfunktionen. Besonders auffällig war eine deutliche Haltungsschwäche in Form einer offenen Mundhaltung. Der Patient war ein habitueller Mundatmer und wies einen inkompetenten Lippenschluss auf.

 

Links: Extraorales Profil Anfgangsdiagnostik | Rechts: Extraorales Profil Enddiagnostik | Quelle: mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie

 

Zusätzlich bestand ein Tiefbiss in Kombination mit einer Distalverzahnung (Rücklage des Unterkiefers). Im Frontzahnbereich sowohl des Ober- als auch des Unterkiefers lag ein deutlicher Engstand vor, sodass nicht ausreichend Platz für alle bleibenden Frontzähne vorhanden war.

Nach den Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen fiel dieser Patient nicht unter die definierten Indikationen für eine Frühbehandlung und erhielt somit keine KIG-Einstufung.

Erkennbares Fehlwachstum trotz fehlender Kostenübernahme

Obwohl keine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse vorgesehen war, zeigte sich bereits ein deutliches Fehlwachstum. Aufgrund der bestehenden myofunktionellen Fehlfunktionen war davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung im weiteren Wachstum verstärken würde.

In solchen Fällen ist es entscheidend, die Eltern umfassend über die bestehenden Fehlstellungen und funktionellen Zusammenhänge aufzuklären. Dazu gehört auch die Information über mögliche Risiken und die Besprechung einer frühzeitigen Intervention.

Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung – auch als Selbstzahlerleistung – sollte auf dieser Grundlage individuell getroffen werden.

Ergebnisse der Frühbehandlung

Die Vorteile der eingeleiteten Frühbehandlung zeigten sich sowohl intraoral als auch extraoral deutlich.

Es konnte eine transversale Erweiterung des Oberkiefers sowie eine Ausformung der Ober- und Unterkieferfront erreicht werden, sodass ausreichend Platz für alle bleibenden Zähne geschaffen wurde.

Darüber hinaus verbesserte sich die Haltung des Patienten deutlich. Neben einem kompetenten Lippenschluss konnte auch eine stabile Nasenatmung etabliert werden. Diese funktionellen Verbesserungen wirken sich nicht nur auf die Zahnstellung, sondern auch auf die allgemeine Gesundheit und das weitere Wachstum positiv aus.

Bedeutung der myofunktionellen Frühbehandlung

Der Patientenfall zeigt, dass die frühzeitige Beseitigung von Fehlfunktionen und Fehlstellungen dem Patienten die Chance bietet, sich im weiteren Wachstum gesund zu entwickeln.

Eine myofunktionelle Frühbehandlung dient dabei nicht nur der Korrektur der Zahnstellung, sondern kann auch einen umfassenden gesundheitlichen Mehrwert bieten. Dazu zählen unter anderem Verbesserungen der Atmung, der muskulären Balance und der Körperhaltung.

Fazit

Die KIG-Einstufung sollte nicht allein über die Notwendigkeit einer kieferorthopädischen Behandlung entscheiden. Sie dient primär der Regelung der Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse.

Für eine fundierte Therapieentscheidung sind jedoch eine individuelle Diagnostik, funktionelle Betrachtung und umfassende Aufklärung entscheidend.

Eine frühzeitige Behandlung kann – auch ohne KIG-Einstufung – dazu beitragen, Fehlentwicklungen zu vermeiden und eine gesunde Entwicklung langfristig zu unterstützen.